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Frauen*kreis: Rückblick im März


Schon wieder ein paar Tage her ist unser Treffen im März. Wir haben uns die Frage gestellt warum wir uns als Frauen definieren. Ich, sowie die anderen Teilnehmenden sind Cis-Frauen, wurden in dieser Gesellschaft also in einer bestimmten Art und Weise erzogen, um einem Rollenbild zu entsprechen. Klar wurden wir alle auf ganz unterschiedliche Weise erzogen und sind in den verschiedensten Umfeldern aufgewachsen. Und doch wurden wir unser Leben lang als Frau gelesen und behandelt und identifizieren uns auch selbst so. Aber warum eigentlich?

Wir konnten keine Kriterien festmachen, die sich nur auf eine Geschlechterkategorie beschränken. Weder Genitalien, Kleidungsweisen, Eigenschaften oder sonstiges ist ausschließlich einem Geschlecht zuzuschreiben. Dieses Weltbild teilen zwar nicht alle Menschen, aber für uns ist das ein feministischer Grundbaustein, wenn es ums Thema Gender geht.


Die Frage, warum wir uns als Frauen bezeichnen, geht auch einher mit dem Gedanken, dass diese Geschlechterkategorie mit unzähligen Vorurteilen und Stereotypen behaftet ist. Diese sind, so glauben wir, das einzige, was diese Kategorie beschreibt bzw. beschreiben will. Ganz klar ist dabei, dass diese Vorurteile eben Vorurteile sind und nicht der Realität entsprechen. Und so kommen wir wieder zurück zu der Frage, warum wir uns als Frauen bezeichnen. Denn wenn alle Zuschreibungen, die die Gesellschaft über diese Geschlechterkategorie trifft ja offensichtlich gar nicht mit uns als Individuen übereinstimmt, warum bezeichnen wir uns dann als Frauen? Im feministischen Kampf möchten wir uns doch gerade von diesen Zuschreibungen und Schubladen lösen. Auf der anderen Seite vereint es uns jedoch, da wir als Frauen aufgrund dieser Zuschreibungen sehr ähnliche diskriminierende Erfahrungen machen, die wir eben nur teilen, weil wir in dieser patriarchalen Gesellschaft als Frauen gelesen und als solche behandelt werden.


Ob wir uns als Non-Binary oder A-Gender sehen, wenn wir uns nicht als Frauen bezeichnen, war dann die nächste Frage. Einige von uns können uns vorstellen, uns als A-Gender zu identifizieren - also als Person ohne Geschlecht. Das ist in der Umsetzung natürlich alles andere als einfach und vermindert keineswegs Diskriminierungserfahrungen. Aber es macht vielleicht für das Individuum selbst einen Unterschied, wie er*sie sich in dieser Gesellschaft bewegt und verhält. Und ganz sicher hat es einen Einfluss auf das Umfeld der Person, die jetzt mit "revolutionären" Gedanken konfrontiert ist und vielleicht Diskriminierung und patriarchale Strukturen hinterfragt und erkennen lernt.


Da wir weiblich gelesen werden, werden wir in unserer patriarchalen Gesellschaft diskriminiert. Selbst wenn wir der Meinung sind, dass die Kategorie Geschlecht überflüssig ist, da ja keine eindeutigen Zuschreibungen und Grenzen festzustellen sind, ist das nicht die Lösung für unser Diskriminierungsproblem.

Diese Art der Diskriminierung ist internalisiert und lässt sich nicht so leicht lösen. Aber indem wir aktiv drüber sprechen, feministische Praxen umsetzen und so unser Umfeld für feministische Themen sensibilisieren, tragen wir einen enormen Beitrag zu einem gesellschaftlichen Wandel bei.


Im Austausch mit anderen möchten wir lernen. Die feministische Blase ist nicht neu, aber aus ihr entstehen in letzter Zeit viele Ideen, Ansätze, eine neue Sprache. Ein starkes Zeichen für eine Entwicklung. Aber es kann auch verwirrend und überfordernd sein. Verschiedene Schreibweisen, Neopronomen, Ansichten was feministisch ist und was nicht. So wie in jeder Bubble existieren auch hier zahlreiche Meinungen. Wichtig ist aber zu erinnern, dass wir alle sehr ähnliche Grundgedanken haben und das Ziel in einer feministischen statt patriarchalen Welt zu leben, erstrebenswert finden. Wir können uns auf diesem Weg unterstützen, uns über unterschiedliche Ansätze austauschen und diskutieren welche Ideen inklusiver sind als andere.

Dabei ist es wichtig anzuerkennen, dass es sich hier um einen Prozess handelt. Auch wenn der gesamtgesellschaftliche Wandel schneller laufen müsste, ist es trotzdem wichtig zu realisieren dass jedes einzelne Individuum Zeit braucht, Veränderung anzunehmen. Aktivistische Forderungen sind oft überwältigend und überrumpelnd für die Jenigen, die sich wenig bis gar nicht mit dem jeweiligen Thema auseinander setzen. Und dass sich alle Menschen mit allen Themen genau gleich gut auseinander setzen, kann man nicht erwarten. Also seid sensibel füreinander, hört einander zu und lernt zu verstehen warum Themen wichtig sind, warum es wichtig ist Erfahrungen und Gefühle zu teilen und warum Sichtbarkeiten unsere Welt verändern!



Der nächste Frauen*kreis findet am 09. April, 11Uhr via Zoom statt.

Wir widmen uns dem Thema Verhütung und was der weibliche Körper leisten muss, um sexuelle Unabhängigkeit zu erlangen. Wir teilen Erfahrungen, wie in zwischenmenschlichen Beziehungen mit dem Thema umgegangen wird, wie wir über Sex, Lust und Verhütung lernen und wie sich das auf unsere Sexualität auswirkt.


Wenn du eine FLINTA* Person bist und dabei sein möchtest bist du herzlich willkommen! Schreibe mir einfach eine kurze Mail an soulutions.jb@gmail.com


Ich freue mich!


Johanna


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