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Erde(n)

Mein Körper drängt mich hinaus. Ich soll wieder atmen. Mich spüren. Zu mir zurück.


Barfuß laufe ich über den heißen Asphalt, bis ich raus aus der Stadt und auf den Feldwegen bin. Ich spüre die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, die Erde fühlt sich warm an. In den Pfützen vom letzten Regen plansche ich und patsche im Schlamm. Erde. Wie ein Kind laufe ich von Pfütze zu Pfütze und fühle mich fast unbeobachtet. Ich fühle mich lebendig, hier. Ich schließe die Augen, atme ein und lasse die Arme für einen Moment über meinem Kopf verweilen. Augen auf.


Ausatmen, meine Arme gehen mit. Ich bin hier. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht als ich freudig weiterlaufe. Die Blumen am Feldrand bewundere ich inständig und sage ihnen, dass sie wunderschön sind. Sie warten so geduldig auf die passenden Bedingungen, wachsen stetig und entfalten sich am Schluss, um ihre Schönheit zu offenbaren. Liebevoll feure ich die noch geschlossenen Blüten an und versichere ihnen, dass die Welt sich auf sie freut.


Mit ausgestreckten Händen gehe ich am Feldrand weiter, Grashalme streifen meine Handflächen und ich kann spüren wie der Wind im Feld weht. Meine Arme fühlen sich wie vom leichten Gegenwind hochgeblasen und wieder hebe ich sie, um gleichzeitig die Augen zu schließen und tief einzuatmen. Frieden. Ich fühle mich unbeschwert und frei, lasse den Alltag hinter mir und bin mit all meinen Sinnen hier.


Ich höre das Zwitschern der Vögel, den Wind in den Blättern und Autos in der Ferne. Ich spüre die wärmende Sonne, Gänsehaut bildet sich auf meinen Armen und ich streichle über meine Haut, um dem Wind zu trotzen. Der süße Duft der Blüten, trockene Erde und frische Frühlingsluft dringt in meine Nase. Bedacht öffne ich meine Augen und mustere meine Umwelt. Ich beobachte das Spiel des Windes im Getreidefeld und folge ihm mit leichten Bewegungen. Meine Augen verfolgen die Vögel bis sie außer Sichtweite sind, an jeder Blüte bleibt mein Blick eine Sekunde hängen und saugt ihre Schönheit auf.


Die Vollkommenheit der Natur umgibt mich, ich fühle mich eins mit ihr. Die Energie des Windes fließt durch mich, zieht mich weiter, lässt Neugierde und Lebenslust erwachen. Ich streife weiter durch die Wiesen und nehme jedes Steinchen, jeden abgebrochenen Ast unter meinen nackten Füßen wahr. Der Wind trägt mich, ich folge ihm und lasse mich dann an einem Plätzchen nieder, dessen Anziehung auf mich erdend wirkt. Ich spüre den Boden unter meiner Sitzfläche, ich bin eins. Meine Energie sammelt sich in meinen Handflächen und in einem Punkt zwischen der Erde und mir.


Wieder schließe ich meine Augen, atme ein und hebe die Hände über meinen Kopf. Mit geschlossenen Augen blicke ich Richtung Himmel und strecke mich. Der Atem geht tief in mich hinein und mit der Ausatmung lege ich meine Hände mit den Handflächen nach oben auf meinen Knien ab. Ich will empfangen. Ich fühle mich unglaublich verbunden mit der Erde unter mir, ich bin genau richtig wo ich gerade bin und fühle mich aufgehoben und geliebt. Der Wind umströmt mich und es ist als würde mein ganzer Körper lächeln.


Die Verbundenheit mit der Erde gibt mir Stabilität, Vertrauen und Liebe. Der Wind lädt mich ein, mit ihm zu tanzen, die Schwingungen zu spüren und einfach loszulassen. So sitze ich hier eine Weile, vergesse die Zeit und spüre einfach tief hinein in die Erde, den Wind, in mich. Ich bin hier. In mir fühlt es sich ganz warm an, behaglich und liebevoll. Ich bin gerne hier und mache es mir gemütlich so lange wie ich möchte.


Mit einem kräftigen Atemzug sammle ich nochmal alle Gedanken und Gefühle und lasse sie mit der Ausatmung ganz bedacht los. Langsam beginne ich meine Finger zu bewegen, mich zu strecken und komme dann zurück zu diesem Plätzchen. Ein letztes Mal folgen meine Arme der Einatmung, ich strecke mich und führe meine Handflächen dann mit der Ausatmung zur Erde. Noch mit geschlossenen Augen spüre ich hinein in den Boden und bedanke mich.


Langsam öffne ich die Augen, nehme meine Umgebung mit allen Sinnen wahr. Bedacht stehe ich auf, spüre tief in mich hinein und fühle Vertrauen in meinen Inneres und meine Intuition. Ihr folge ich nun und setze meinen Spaziergang fort.



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